Nervenläsionen bei Neugeborenen und Kinder

Armplexuslähmungen bei Neugeborenen

Obwohl im letzten Jahrzehnt das Geburtstrauma und entsprechende Armplexuslähmungen bei Neugeborenen seltener geworden sind, kommen solche Fälle gelegentlich vor. Übergewichtige Kinder von meist adipösen Müttern zählen zu der besonderen Risikogruppe. Häufig werden solche Geburtsarmplexuslähmungen bei Neugeborenen von den Müttern erkannt. In der Regel ist der betroffene Arm des Kindes nach innen und hinten gedreht und die Bewegungseinschränkung (bis zur vollen Lähmung) der Armbeugung ist Auffällig. Dabei kann es sich um einen Wurzel- oder Nervenausriß handeln. Bei einfachen Dehn- oder Zerrungsverletzungen des Armnervenplexus bei Neugeborenen ist in der Regel die Regeneration schnell und effektiv (unter entsprechenden physiotherapeutischen Maßnahmen). In solchen Fällen ist die Wiedererlangung der Funktion innerhalb von zwei bis drei Monaten erkennbar. Circa 50-60% der Säuglinge mit Plexus brachialis Lähmung zeigen eine spontane Erholung (ohne operativer Rekonstruktion). Bei einer persistierenden Lähmung oder Stillstand der Entwicklungsdynamik trotz aktiver Physiotherapie und engmaschigen Kontrollen soll das Kind möglichst früh für Nervenrekonstruktionsoperationen vorgestellt werden. Da die peripheren Nerven bei Neugeborenen und Kindern sich noch in der Entwicklungsphase befinden, ist auch die Prognose nach Nervenrekonstruktion relativ gut.

Einige Beispiele der Operativen Versorgung in Säuglingsalter und Funktionsergebnisse:Baby-PlexusOBPP-RESULTSHandfunction-OBPP

 

 

 

 

 


Eine der verbleibenden Lähmungen Scoliosis-Ext-Rot-Palsynach geburtstraumatischer Plexusvereltzung ist die Außenrotation des Schultergelenkes. Die Kinder sind hierbei nicht in der Lage den betroffenen Arm über Kopfniveau normal zu heben. Kinder kompensieren diese Lähmung sehr gut durch hintere Streckung des gesamten Oberkörpers, um Objekte über dem Kopfniveau zu greifen. Auf Dauer führt diese kompensatorische Bewegung zur Überbelastung der Wirbelsäule auf der betroffenen Seite, wodurch eine Wirbelsäulenskoliose resultiert. Dieses wiederum führt im späteren erwachsenen Leben zu häufigen Wirbelsäulenproblemen.

Deshalb ist es notwendig und angezeigt, auch im Kleinkindalter oder später die Außenrotationslähmung des Schultergelenkes zu korrigieren. Die Korrektur kann entweder (bei gut erhaltener passiver Beweglichkeit des Schultergelenkes selbst) durch Sehnenersatzoperation nach L’Episcopo oder durch funktionsverbessernde Rotationskorrektur des Humerus (bei einem relativ steifen Schultergelenk) zu erreichen (s. Beispielabbildungen)

Episcopo-Transfer-OBPP

Rotationsosteotomie-text

 

 

 

 

 

 

 

 


Möbius und Möbius-ähnliches Syndrom:

Gesichtsnervenlähmung im Kindersalter durch fehlendes Kerngebiet der Gesichtsnerven im Hirnstamm oder fehlende mimischen Muskeln wird als Möbiussyndrom genannt. In der Regel betrifft das Möbiussyndrom beide seiten (bilaterale Facialisparese bei Kindern). Die Kinder haben dabei ein ausdrucksloses Gesicht ohne das Vermögen zu lächeln.

Es kommt eine Reihe von anderen Symptomkomplexen, mit einseitiger Lähmung der mimischen Muskulatur, welche als „Möbius-ähnliches Syndrom“ bezeichnet werden.

Die chirurgische Behandlung wird auf Wiederherstellung der Mundwinkelexkursion gezielt und besteht aus lokale, regionale und freie Muskeltransfers, sowie andere statischen Prozederen.